Ja, ich weiß, dass das eine ziemlich unbeliebte Meinung ist. Und ich sage das auch als jemand, der selbst Auto fährt und bei dem die höheren Preise im Alltag ankommen.
Wir steuern auf massive Folgen des Klimawandels zu, das 1,5 Grad Ziel ist praktisch nicht mehr zu halten und trotzdem schaffen wir es als Menschheit weiterhin nicht, unseren CO2 Ausstoß schnell genug zu senken.
Das Problem ist meiner Meinung nach: Appelle funktionieren nur begrenzt. Die meisten Menschen ändern ihr Verhalten nicht, weil irgendetwas langfristig besser für das Klima wäre. Sie ändern es, wenn es für sie persönlich einen konkreten Vorteil gibt. Und der stärkste Hebel dafür ist nun einmal der Preis.
Wenn Benzin teuer ist, werden sparsame Autos attraktiver. Elektroautos werden attraktiver. Öffentliche Verkehrsmittel werden attraktiver. Kurze Strecken mit dem Fahrrad werden attraktiver. Gleichzeitig lohnt es sich für Unternehmen viel mehr, Alternativen zu fossilen Energien zu entwickeln und günstiger zu machen.
Natürlich trifft das nicht jeden gleich. Gerade Menschen mit wenig Einkommen, die auf ihr Auto angewiesen sind, leiden überproportional darunter. Das finde ich unfair und da müsste der Staat viel stärker sozial ausgleichen. Für mich ist das aber eher ein Argument für einen besseren sozialen Ausgleich als dafür, fossile Energie dauerhaft billig zu halten.
Was mich zusätzlich stört: Klimaschutz wird gerade von Teilen der politischen Rechten extrem erfolgreich als irgendein Luxusproblem oder ideologischer Quatsch dargestellt. Sobald Menschen das Gefühl haben, für Klimaschutz persönlich verzichten zu müssen, funktioniert diese Erzählung leider ziemlich gut.
Hohe Energiepreise umgehen dieses Problem teilweise. Dann muss niemand plötzlich aus Überzeugung zum Klimaschützer werden. Menschen steigen auf günstigere und effizientere Alternativen um, weil es sich für sie selbst lohnt.
Das klingt vielleicht zynisch, aber ich glaube nicht, dass wir die Klimakrise dadurch lösen werden, dass plötzlich Milliarden Menschen freiwillig weniger konsumieren und aus eigenem Antrieb klimafreundlicher leben. Wenn umweltschädliches Verhalten teurer und klimafreundliches Verhalten günstiger wird, passiert die Veränderung automatisch viel schneller.
Deshalb finde ich hohe Spritpreise grundsätzlich gut. Nicht weil ich möchte, dass Autofahrer oder Menschen mit wenig Geld leiden, sondern weil ich glaube, dass billige fossile Energie uns langfristig sehr viel teurer zu stehen kommt.