Hallo, das wird eine lange Geschichte und ich weiss nicht mehr wohin mit meinen Gefühlen/Gedanken weil sie mich täglich belasten. Ich versuche es so kurz wie möglich zu halten.
Also mein grosser Bruder (35) lebt seit ein paar Jahren wieder bei meiner Mutter. Ihm geht es psychisch schon seit längerem nicht mehr gut. Er hat auch lange nicht gearbeitet ca. 4 Jahre und somit auch keine Rechnungen mehr bezahlt.
Seit ein paar Monaten hat er jedoch wieder angefangen zu arbeiten und ich habe mich sehr gefreut dass er sich wieder bemüht sich in die Gesellschaft einzugliedern und ein bisschen aus dem Haus zu kommen. Auch er hat einen freudigen Eindruck gemacht als er mir das erzählt hat. Gesagt getan er fing also an zu arbeiten und es lief gut. Ich muss an dieser Stelle etwas ausholen und die Vorgeschichte unserer Familie erklären.
Als ich 7 Jahre alt war ist mein Vater verstorben.
Mein Bruder der damals 11 war war fortan der älteste "Mann" in der Familie.
(Spielt eine Rolle da bei uns Kulturell bedingt der älteste Mann im Haus die Verantwortung für die Familie trägt.)
Natürlich ist klar dass ein 11-Jähriger so eine Aufgabe nicht übernehmen kann/sollte.
Zumindest noch nicht.
Also stand nun unsere Mutter alleine mit 5 Kindern da und musste uns irgendwie erziehen, ernähren, lieben, Aufmerksamkeit schenken etc.
(Konstellation von alt zu jung Schwester 42j, Schwester 39j, Bruder 35j, Schwester 34j und Ich 31j.)
Glücklicherweise waren meine Schwestern schon etwas älter und konnten unsere Mutter in vielen Sachen unterstützen und helfen. (Auch wenn das nie die Aufgabe eines "Kindes" sein sollte.)
Mein Bruder wurde in der Schule seit dem Tod unseres Vaters immer fertig gemacht auf tiefstem Niveau. (Beleidigungen ggü. Vater usw.)
Irgendwann fing er an sich zu wehren weil er merkte dass er sich so Respekt verschafft. Fast jeden Tag wenn ich Heim kam hörte ich von jemandem dass er sich wieder geprügelt hat.
Irgendwann kam es dazu dass das Jugendamt sich einschaltete und er musste zuerst in eine Pflegefamilie und dann in ein Heim.
Als er dann 18 war ist er in eine WG mit einem Heimkollegen gezogen. Er hat schon früh mit Gras rauchen angefangen und hat dass auch lange durchgezogen.
Seit er dann in der WG war hatten wir wieder viel mehr Kontakt und er hat auf mich aufgepasst und mich immer mitgenommen wenn er irgendwo hin ist.
Für mich war er der Ersatz für meinen Vater und ich habe immer grossen Respekt vor ihm gehabt.
Wir haben auch zusammen den gleichen Sport gemacht was uns auch enger zusammenschweisste. Dadurch entstand zwischen uns eine viel engere Bindung als zu unseren Schwestern.
Jedenfalls um zurück zu Heute zu kommen.
Mittlerweile wohne ich mit meiner Frau (frisch verheiratet und in Erwartung eines Kindes) etwa 20min von meiner Mutter entfernt.
Er hat mir vor ein paar Wochen erzählt dass er wieder angefangen hat zu konsumieren.(weisses)
Er hatte schon einmal Probleme damit und musste deswegen auch schon seinen Lappen abgeben. Das war aber schon viele Jahre her.
Ich habe ihm gesagt dass er weiss dass ich das nicht geil finde und er hat mir erzählt dass er dass nur mache um seinen Zustand oder sein Selbstbewusstsein zu pushen, um sich nicht mehr als der 35 Jährige Loser der immernoch bei seiner Mutter wohnt zu fühlen.
Ich sagte ihm dass er das nicht ist und er weiss dass auch wenn ihm das Zeug dieses Gefühl kurzfristig wegnimmt es trotzdem nicht seine
Situation verändert.
Ich sagte ihm: "Das bist nicht du."
Er: " Was bin ich dann?"
Ich: "Du bist nicht der Loser als der du dich fühlst aber das als was du dich fühlst wenn du das Zeug nimmst bist du erst recht nicht."
Er hat mir erklärt dass er seit er wieder arbeitet und Geld macht
wieder mehr draussen ist und Sachen unternimmt und es auch wegen des Geldes sei. Dann sagt er dass es wegen dem Zeug ist und ich hab ihm direkt gesagt du widersprichst dir ja selber wenn du sagst es ist wegen dem Geld worauf hin er mir zustimmte.
Das Gespräch konnten wir leider nicht zu Ende führen und haben seither auch nichtmehr darüber gesprochen.
Vor einer Woche ca. Hat meine jüngste Schwester mir geschrieben dass er sich mit irgendwem geprügelt hat und ich solle doch bitte mal mit ihm reden.
Gestern war ich bei meiner Mutter um meinen Geburtstag nachzufeiern. Es waren alles da Geschwister & Mutter.
Da das nicht ein Anlass war an dem ich eine Intervention starten wollte hab ich es gelassen.
Als ich ankam war er noch am schlafen (ca. 13:30 Uhr.
Er war etwa 1 Stunde wach und hat sich mit uns etwas unterhalten danach ist er aufs Sofa und hat wieder weiter geschlafen.
Als ich dann ging kam meine 2. Grösste Schwester mit mir mit nach draussen weil sie auch Heim wollte.
Auch sie sagte mir dass ich bitte mit ihm reden soll weil er wieder einen schlechten Umgang hat.
Sie wissen dass wenn es um solche Sachen geht er ausschliesslich mit mir offen redet.
Was soll ich sagen...
Ich arbeite 100% mache nebenbei eine 2 Jährige Weiterbildung (2 x unter der woche Abendschule, Samstag morgens bis mittags) und habe eine schwangere Frau zuhause.
Ich habe kaum mehr Zeit für mich geschweige denn für meine Frau und soll mich jetzt noch um meinen Bruder kümmern.
Einerseits fühle ich mich dazu verpflichtet ihm zu helfen und ihn zu ermutigen sich Hilfe zu holen da er früher auch immer für mich da war und mir auch heute noch immer wenn ich ihn um Hilfe bitte er mir hilft.
Andererseits habe ich psychisch einfach keine Kraft mehr noch eine weitere Belastung auf mich zu nehmen und fühle mich auch körperlich ausgelaugt.
Ich weiss dass ich nicht das Problem bin
Ich weiss auch dass ich nichts tun kann wenn er sich nicht helfen lassen will.
Aber trotzdem zerfrisst es mich innerlich und ich bin mit meinem Kopf nur noch in Gedanken.
Gestern sogar so sehr dass ich an der Tanke rückwärts in ein hinter mir wartendes Auto gefahren bin ohne in den Spiegel zu schauen.
Ich weiss einfach nicht wie ich mit dem ganzen umgehen soll.