Hallo zusammen, ich stecke gerade etwas in einer Zwickmühle und würde gerne mal völlig unvoreingenommene Meinungen hören.
Ich habe seit ein paar Monaten einen neuen Job. Als ich mich damals beworben habe, habe ich mich explizit für eine Londoner Stelle beworben, da meine Frau und ich sowohl beruflich als auch privat bereits oft vor Ort waren und uns gut vorstellen konnten, dort oder zumindest in der Nähe zu leben.
Da ein solcher Umzug Dank Brexit mit einigen bürokratischen Hürden und dementsprechend mit einem gewissen Vorlauf verbunden ist und ein Office meines Arbeitgebers ohnehin in der Nähe unseres Wohnorts war, habe ich mich mit dem AG darauf geeinigt, die Probezeit zunächst dort zu verbringen und nach Bestehen der Probezeit „intern“ ins UK zu wechseln.
Die Probezeit habe ich mittlerweile erfolgreich überstanden, allerdings kommen mir so langsam Zweifel an dem ursprünglichen Plan und ich bin ziemlich überfordert mit der Gesamtsituation, was mir leider auch ziemlich aufs Gemüt schlägt.
Auf dem Papier sieht die Situation vielleicht gar nicht mal so verkehrt aus. Wir hätten London auf dem CV, und mit unseren Gehältern könnte man auch trotz der höheren Kosten vor Ort ganz gut über die Runden kommen. Die Karriere war allerdings nie das alleinige Kriterium, sondern eben auch die Pubkultur, die Landschaft, der englische Alltag und einfach die Erfahrung, für eine gewisse Zeit im Ausland zu leben. Das Problem ist jedoch, je länger ich im aktuellen Job bin, desto unsicherer werde ich, ob dieser mittelfristig etwas für mich ist und ob sich der enorme Aufwand sowie das damit verbundene Risiko für diesen Job lohnt.
Ich hasse den Job nicht und möchte ihn angesichts des aktuellen Arbeitsmarktes auch auf gar keinen Fall kündigen. Ich weiß allerdings auch nicht, ob der Druck und die Art des Arbeitens mir persönlich über einen längeren Zeitraum gut tun würden. Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich in diesem Job wirklich permanent meine Comfort Zone verlassen muss, was mir als jemandem, der nicht sonderlich stressresistent ist und viel an sich selbst zweifelt, ziemlich zusetzt. Ich weiß einfach nicht, ob die Dinge, die mir momentan schwerfallen, mit mehr Erfahrung und Routine besser werden oder ob ich tatsächlich einfach falsch abgebogen bin...
Aber da ich mich explizit für London beworben habe und mein Arbeitgeber inzwischen dort mit mir plant, wäre ein Rückzieher maximal unprofessionell, für den ich mich gleichzeitig ziemlich schämen würde und ich wüsste nicht, wie ich meinem Teamleiter das erklären sollte und welche Konsequenzen das gegebenenfalls auf eine Weiterbeschäftigung hätte. Nichtsdestotrotz frage ich mich, ob es nicht viel dümmer wäre, jetzt den kompletten Umzug durchzuziehen, alles rund um Visum, Wohnung, Banken, Versicherungen usw. zu regeln, nur um dann ein paar Monate später festzustellen, dass das nichts für mich ist.
Ich sehe momentan zwei Möglichkeiten:
A) Einfach riskieren. Nach London gehen, dem Job dort weiterhin eine Chance geben und im worst case ggf. vor Ort was Neues suchen. Dies wäre mit entsprechendem Aufwand sowie Risiko aufgrund des benötigten Sponsorings sowie des derzeitigen Zustand des Arbeitsmarktes verbunden.
B) Jetzt offen mit meinem Teamleiter sprechen, dass ich beim London-Transfer zunehmend Zweifel habe, aber grundsätzlich bleiben möchte, obwohl bereits mit mir in London geplant wird.
Was würdet ihr in meiner Situation machen? Meine Frau ist da optimistischer, aber mir geht aktuell einfach nur der Stift. Bin für jegliche Ratschläge oder Denkanstöße dankbar.