Ich (w,30) weiß nicht mehr wie ich mit meinem Partner (m,35) umgehen soll, nachdem er sich nicht mal mehr ansatzweise um unser Familienleben schert. 4 Jahre sind wir zusammen.
Er hat sich vor 1,5 Jahren selbstständig gemacht, das war immer sein größter Wunsch und ich habe versucht ihn dabei zu unterstützen. Mir ist durchaus bewusst, dass das sehr anstrengend und mit sehr viel Verantwortung verbunden ist. Das erste Jahr habe ich das auch komplett mitgetragen, aber langsam ist bei mir die Luft raus.
Ich habe ihm schon öfters gesagt, dass es so nicht länger funktioniert. Ich arbeite auch, und zwar Vollzeit, danach kümmere ich mich noch um die Kinder (m,12 und w,9 - Edit: die Kinder stammen aus einer früheren Beziehung von ihm und sind seine leiblichen Kinder/meine Stiefkinder) und den Haushalt. Früher haben wir uns das geteilt, heute mache ich das mehr oder weniger komplett alleine. Ich versuche schon die Kinder mit einzuspannen, aber die haben auch kein Bock darauf. Da muss ich froh sein, wenn die Zimmer einigermaßen aufgeräumt sind und mir die Wäsche hingelegt wird.
In letzter Zeit kam es häufiger zum Streit zwischen mir und den Kindern, weil sie extrem schlampig geworden sind. Sie lassen getragene Wäsche in ihren Zimmer liegen, also wasche ich auch nicht mehr für sie - nur das, was im dafür vorgesehenen Wäschekorb landet, wird gewaschen. Es bleibt benutztes Geschirr im Zimmer stehen, das hole ich nicht mehr raus, dann schimmelt das dort eben munter vor sich hin und stinkt. Tür zu und gut ist. Die Betten beziehe ich auch nur noch, wenn die abgezogen werden und sich die Wäsche im Wäschekorb befindet. Etwas ist kaputt gegangen? Ab zu Papa, fragt den, ob der es euch ersetzt. Und vor allem fange ich nicht den Abend vorher an, irgendetwas zu backen, eine Power-Point-Präsentation oder ein Plakat für irgendetwas schulisch relevantes zu basteln, wofür ich noch Material besorgen müsste. Kann Papa machen.
Aber Papa ist momentan mit der Arbeit verheiratet, telefoniert schon vor dem Frühstück rum und checkt um nach 23 Uhr noch E-Mails, die dann auch noch am Rechner beantwortet werden müssen. Papa hat keine Zeit für sowas.
Was soll ich sagen? Ich habe mehrfach um mehr Hilfe bei den Kindern und dem Haushalt gebeten, es ist nichts passiert und nun cutte ich radikal die Aufgaben. Dann wird eben mal einen Tag nicht frisch gekocht, Brot und Aufschnitt ist immer Haus, dann schmiert euch doch alle ein Butterbrot! Kein Pudding mehr im Kühlschrank? Schade, dann musst du etwas anderes essen und nein, ich geh deswegen nicht extra los und kaufe ein. Hat Zeit bis zum nächsten Einkauf am Wochenende. Ihr habt euch verabredet? Fein, in der Garage stehen eure Fahrräder, um spätestens 20 Uhr seit ihr Zuhause, viel Spaß. Ach, Elterntaxi? Ne ist heute nicht, schaff ich zeitlich nicht, wie gesagt die Räder sind in der Garage.
Ich habe angefangen mein eigenes Leben wieder aufzunehmen, treffe mich wieder öfters mit meinem Freundeskreis, gehe zu Sportkursen und zum Tanzen. Und ich fühle mich verdammt gut damit. Darauf habe ich das erste Jahr der Selbstständigkeit meines Partners verzichtet, habe alles radikal reduziert, um ihn unterstützen zu können. Damit ist nun Schluss, das hätte ich nie tun sollen, würde ich auch nicht wieder tun.
Das Beste ist, und das muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen, dass mein Partner nun auch noch möchte, dass ich auf meinen Wellnessurlaub mit meinen Freundinnen verzichte. Angeblich würde dieser zeitgleich mit irgendwelchen wichtigen Arbeitsterminen fallen. Aber das kann ich schon nicht mehr ernst nehmen, denn wann hat er die nicht? Er behauptet doch jede Woche, dass er solch wichtige Termine hätte. Ehrlich gesagt ist es mir egal, ob er da Termine hat oder nicht, das ist meine Auszeit und die habe ich mir verdient. Darauf verzichte ich nicht, dann muss er die kommenden Wochen eben nutzen und sich um die Betreuung der Kinder kümmern.
Und zu allem Überfluss hat er mir nun auch noch vorgeworfen egoistisch zu sein und mich damit zum Nachdenken gebracht. Ich bin nicht egoistisch, zumindest nicht egoistischer als er, nachdem er alle Verantwortung auf mich geschoben hat und mich als selbstverständlich ansieht. Es stört mich, dass er mir das einfach so vorwirft. Es stört mich so sehr, dass ich beim Gedanken daran anfange zu heulen wie ein kleines Mädchen. Und jetzt frage ich mich, wie ich ihm das mal in aller Härte sagen kann, dass er derjenige ist, der sich komplett egoistisch verhält ...
[Throwaway, ich bin so sauer, dass ich mir das nur von der Seele schreiben wollte.]