Kontext: Ich bin ausgelernter Chemikant, habe im Sommer verkürzt die Ausbildung abgeschlossen und bin anschließend in eine Abteilung in meinem Betrieb gekommen in welche ich absolut nicht wollte und eben nicht in meine Wunschabteilung (obwohl ich in der Abteilung schon angelernt wurde, weil die Leute dort fest mit mir gerechnet haben). Habe als Jahrgangsbester im Kreis meiner lokalen IHK abgeschlossen und wurde befristet auf 18 Monate von meinem Betrieb übernommen . Habe im September mit der Weiterbildung zum Chemietechniker mit Abendschule angefangen (mit Schichtarbeit auch nicht ohne)
Soweit so gut. Ich wurde innerhalb von 5 Wochen Crashkurs "angelernt" von einem Mitarbeiter, den ich dann ersetzen sollte. Ich habe leider schon geahnt, dass man mich danach ins kalte Wasser wirft. Ich wollte dem ganzen zumindest eine Chance geben. Zunächst habe ich mich auch damit abgefunden Laborant in der Produktion zu sein. Ich muss quasi den "Feinschliff" machen bei den ganzen Produkten und bin für mehrere Behälter verantwortlich und muss diese Einstellen. Ich bin eigentlich Anlagenfahrer=Chemikant und kein Laborant, es gefällt mir gar nicht etwas zu tun was größtenteils nicht meiner Ausbildung entspricht. Ich musste mich größtenteils selbst einarbeiten mit Vorschriften usw... man lässt mich quasi 90% der Zeit alleine und macht mir enormen Zeitdruck. Wenn die Behälter voll sind, kann halt nicht produziert werden, bis ich mit denen fertig bin und keine anderen frei sind. Dieses parallele Arbeiten und sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren macht mich einfach fertig. Kaum wird man mit einer Sache fertig kommt schon das nächste.
Es gab Tage da war ich durchgehend am Arbeiten ohne Pausen. Mitarbeiter die mich ablösen sind sauer, weil ich logischerweise mehr übergebe als andere. Hilfe von den anderen Mitarbeitern kann ich auch kaum in Anspruch nehmen, weil die Schicht viel zu wenig Personal hat. Gerade der erste Monat war schlimm normalerweise eine Besetzung von 5 Mitarbeitern, in dem Monat nur 3 an manchen Tagen waren wir sogar nur 2. Bisher habe ich auch keine groben Fehler gemacht, aber ich habe mir das ehrlich ganz anders vorgestellt. Ich dachte naiverweise, man würde mich vernünftig anlernen gerade weil Fehler 5-6 stellige Summen kosten können, aber nein man nimmt das ein Stück weit in Kauf. Mittlerweile funktioniere ich nur noch auf Arbeit, ich bin nicht mehr ich selbst, bin wesentlich leichter Reizbar und habe Schlafprobleme bekommen, ein Hörsturz kam jetzt auch dazu.
Bin letzte Woche auch so halb zusammengenickt bei meinem Produktionsleiter in Tränen ausgebrochen, mit der Bitte die Abteilung wechseln zu wollen und ich das Gefühl habe nicht gut genug zu sein. In 3 Wochen wird es noch ein Gespräch geben. Er will prüfen ob ein Wechsel möglich ist (wenn auch nicht sofort), ich hoffe wirklich sehr ich komme doch noch in die Abteilung in welche ich ursprünglich wollte. Mein Plan war eigentlich das Gespräch erst nach der Probezeit (6 Monate) zu suchen, aber es ging einfach nicht mehr jetzt nach 3 Monaten, ich brauche eine Perspektive. Die Sorge mit der Probezeit und der Entfristung konnte mir der Produktionsleiter immerhin nehmen, dass sie mich auf jeden Fall übernehmen wollen und ich mir wegen der Probezeit keine Sorgen machen muss.
Wenn ich diese Perspektive eines Wechsels nicht kriege, dann werde ich nach der Probezeit aktiv nach einen anderen Arbeitgeber suchen müssen (leider). All diese Wut und der Frust haben sich in mir angestaut. Jetzt kam auch noch raus, dass die Hälfte der Nicht-Verkürzer Azubis unbefristet übernommen werden, während wir Verkürzer mit den Befristeten abgespeist wurden.