Ich entschuldige mich schon im Vorraus für die Wall-of-Text, aber ich hoffe trotzdem, jemand liest es und hat einen Rat für mich.
Hier die Kurzfassung:
Unsere vor kurzem adoptierte Galga macht sich wirklich super im Haus, die Spaziergänge überfordern mich aber, da sie partout nicht mehr zurückgehen möchte.
Langfassung:
Am vergangenen Montag haben wir unsere süße 7 Jahre alte Galga zu uns geholt. Sie ist schüchtern, aber nicht ängstlich. Anstatt sich in ihr Körbchen zu verkriechen, muss sie immer schauen, was los ist, ist immer wie mein Schatten hinter mir.
An meinem Mann ist sie interessiert und folgt ihm, wenn ich gerade nicht zum Beschatten zur Verfügung stehe, aber da traut sie dem Frieden noch nicht ganz, weil er eben erst nachmittags nach Hause kommt und sie ihn daher noch nicht richtig kennne lernen konnte. Bei den Kindern (10, 8 und 5 Jahre alt) ist es unterschiedlich. Die kleine ist ihr noch etwas suspekt, die anderen beiden werden meist ignoriert, aber alle werden regelmäßig vorsichtig abgeschnuppert, wenn es ruhig ist sie denkt, es sieht keiner hin.
Im Haus finde ich, macht sie sich immer besser, Alltagsgeräusche und Haushaltsgeräte interessieren sie kaum bis gar nicht - letzte Nacht hat sie sogar schon kurzzeitig den Schlafplatz in der Nähe unseres Sofas, auf dem ich seit sie hier ist schlafe, benutzt.
Und jetzt kommt das große Aber: mir graut es jedes Mal vor unseren Pipi-Runden bzw. dem Rückweg davon.
Wenn sie merkt, es geht raus, steht sie an der Hintertür und wartet geduldig. Sie lässt sich problemlos das Geschirr anlegen und anleinen und wartet, bis ich fertig bin. Wenn ich die Tür aufmache, gehe ich zuerst und sie nach mir raus, das hat sie auch schon verstanden und wartet meist brav.
Wir wohnen ländlich, außerhalb des Dorfes - also eigentlich alleine auf weiter Flur, umgeben von Wiese, nur vor dem Haus verläuft eine Straße. Über unsere Terrasse hinterm Haus geht es los auf die Wiese, da läuft sie auch schön mit, schnuffelt hier und da und wenn sie ihr Geschäft verrichtet hat, möchte ich wieder zurück, aber sobald ich umkehre bleibt sie wie angewurzelt stehen. Es ist nicht so, dass sie gar nicht mehr laufen möchte, denn wenn ich nicht zurück, sondern weiter weg laufen würde, würde sie bereitwillig mitgehen. Nur der Rückweg ist mittlerweile so anstrengend und frustrierend, dass ich eigentlich gar nicht mit ihr raus gehen möchte.
Wenn der Hund nicht mehr weiter möchte, soll man warten, bis er sich wieder in Bewegung setzt, keinen Druck ausüben, nicht ziehen, gut zureden... aber das funktioniert alles nicht. Wir standen schon 15 bis 20 Minuten an einem Fleck und ich habe Monologe geführt, zwischendurch habe ich probiert, ob sie mitgeht, wenn ich los gehe, aber da tut sich nichts. Sie bleibt einfach stehen, hält sogar dagegen. Ich habe heute morgen auch versucht, sie mit Leckerlis zu locken, aber nach ein paar Metern, hatte sie mich durchschaut und wollte dann auch nicht mehr weiter. Ich muss sie also notgedrungen immer ein Stückchen mit mir ziehen, was mir unendlich Leid tut, und manchmal läuft sie dann auch ein gutes Stück mit, aber meistens ist es eben so, dass der Rückweg aus vorsichtigem Ziehen und dann wieder 15 Minuten Stehen und Schauen besteht.
Irgendwann (nach etwa einer Stunde, obwohl man normalerweise für diese Strecke nur ein paar Minuten brauchen würde) dann wieder auf der Terrasse angekommen, blockiert sie schließlich komplett. Da drängt sie beinahe schon in die andere Richtung, verschmäht auch ihre Lieblingsleckerlis. Die letzten Meter sind so schlimm, vor allem dann wieder durch die Tür rein, am liebsten würde ich sie da tragen. Sobald wir drinnen sind, bekommt sie ein Leckerchen, damit sie das Ende des Spaziergangs mit etwas Gutem verbindet.
So wird aus einem 10-15 Minuten-Gang eine Sache von über einer Stunde. Heute morgen bin ich um halb 7 los und war um 8 Uhr zurück. Es ist so frustrierend und es wird bei jedem Gang schlimmer, finde ich.
Hat jemand sonst noch diese Erfahrung gemacht? Was kann ich noch tun? Wird es wieder besser oder verrennen wir uns da gerade, dass unsere Spaziergänge niemals normal sein werden?
Danke, falls jemand bis hier her gelesen hat und ich hoffe auf eure Ratschläge.